Biography

 


 

 

 

 


Hier erfolgt gewöhnlich die Reihe der musikalischen Erfolgsmeldungen mit der Auflistung der Musiker, mit denen man gespielt und, besser noch, seine CDs veröffentlicht hat (ohne Verkaufszahlen).


Gut machen sich auch noch gewonnene Preise und Stipendien, die erteilt wurden.

Das soll den Besucher beeindrucken und zeigen, wie zielstrebig und talentiert der Musiker ist, und dass, sollte er engagiert werden, was meines Erachtens die Hauptaufgabe einer Webseite ist, er auf keinen Fall den Engagierenden enttäuschen wird, sondern ihm oder ihr einen unterhaltsamen Nachmittag bereiten wird.
Pressestimmen werden auch immer wieder gerne genommen, da sie ja scheinbar eine objektive Meinung  wiedergeben und somit, unter allem wohlwollend für den zu kritisierenden,  der untrügliche Beweis für die Ausnahmequalität des Musikers sind.


Leider hat der Inhaber dieser Domain nichts dergleichen vorzuweisen.

 

Am Konservatorium in Amsterdam habe ich studiert, das sich neuerdings School of Arts nennt, von meinem gescheiterten Studienaufenthalt in der Schweiz zu schweigen, wo mich der alle möglichen Drogen konsumierende Andy Scherrer wohl als völlig talentlos ansah.

 

Ein kurzes Zwischenspiel beim Circus Roncalli, den ich so frustrierend fand, dass ich eigentlich danach Jura studieren wollte, aber leider die Immatrikulationszeiten verpasst habe und dank meiner ausgeprägten Legasthenie  sicher den Gerichten einige Lacher vorenthalten habe.

 

 Es war dort sicher eine Erfahrung, mittags bei 50 Grad zu spielen und die genauso hübsche wie arrogante Reiterin jeden Abend nach der Vorstellung auf die Musikerbühne stürzen zu sehen, um ihren in Holländisch und Deutsch vorgebrachten Beschwerden zu lauschen, dass wir wieder nicht im Takt des Pferdes gespielt haben, und der musikalische Leiter, der  sich sonst wie klein Napoleon gebärdete, ihr versuchte zu erklären, dass das Pferd doch bitte nach dem Takt unserer Musik laufen sollte und wir einen Dreiviertel takt nicht wahlweise oder nach Gusto des Pferdes als 4 oder 5 Viertel spielen könnten und das im taktweisigen Wechsel.

 

Das aber war schon der Höhepunkt zur Verteidigung unserer Würde. Erwähnt sollte noch werden, dass wir früh morgens zu Werbezwecken im frischen Frühjahr auf einem offenen antiken Feuerwehrwagen in die Fußgängerzone einer Stadt gekarrt wurden,   sicher ein hübsches Bild abgaben in unseren „Sergeant Peppers Lonely Hardclub Band“-Uniformen, dabei aber schrecklich froren, zusammen mit klein Napoleon, der - da Pianist und in Ermangelung eines transportablen Instruments - mit einer riesigen Basstrommel den Ruderschlag vorgab.

 

Vom Zirkus aus ging ich, der vermeintlichen Enge Deutschlands und auch der überfürsorglichen Mutter entfliehend, nach Amsterdam. Nicht dass ich im zarten Alter gewesen wäre. Ich war schon 23 und - die große Sorge der ganzen Familie - in einem Alter, in dem talentierte Musiker schon Welttourneen hinter sich haben.

 

Dort habe ich dann voller Mut fleißig studiert. Morgens immer ganz früh raus, da die Anzahl der Überäume doch sehr beschränkt war, und die Leitung des Konservatoriums sich nicht in der Lage sah andere zu beschaffen. (Saxophon ist als zu-Hause-Übeinstrument bei den Mitbewohnern  eines Mietshauses nicht so beliebt.) Diese Möglichkeit wurde allerdings schnell wieder abgeschafft, da sich die holländischen Mitstudenten ob ihrer angeborenen Frühverschlafenheit sich unfähig sahen, mit den ausländischen Morgenfrohen mitzuhalten und sich benachteiligt fühlten.  Das ging natürlich nicht! Niemand darf benachteiligt werden! Vor allem nicht morgens um sieben.

 

An selbigem Konservatorium habe ich dann Kompositionen, Arrangements und weiteres vorgelegt, was aber keiner der Dozenten als besonders positive Äußerung meinerseits aufnahm, geschweige denn in irgendeiner Form von ihnen nähere Notiz nahm. Mit Ausnahme vielleicht von Misha Mengelberg, der, wenn er einen guten Tag hatte, durchaus was Nettes sagen konnte, und Tim Armacost, der sich sehr redlich mit mir bemühte.

Also leicht entmutigt brachte ich mein Studium zu Ende.

 

Ich sah manche meiner Mitstudenten Karriere machen, manche Altersgenossen sogar Welttourneen, habe von großen Saxophontalenten gehört und große Lobeshymnen auf andere Musiker, aber ich war nicht dabei.

Bis auf einmal. Es kam der wunderbare Schlagzeuger Ed Thigpen an das Konservatorium, und dieser zeigte uns, wie man gut Rhythmus erlernen kann, eine Methode, die ich auch heute noch meinen sehr wenigen Schülern zeige, wobei ich mir nicht anmasse, sie so gut vermitteln zu können wie Ed Thigpen.

Also, ich hatte zufällig Gelegenheit, Ed Thigpen in Anwesenheit aller Schüler des Konservatoriums vorzuspielen, und dieser war voll des Lobes, und hat mich sogar am nächsten Tag nochmal vor allen Schülern gelobt. Danach hat das Konservatorium 3 Tage nicht mehr mit mir gesprochen (mit an einer Handvoll Ausnahmen).

Ich zehre heute noch von diesen guten Worten, und man kann daraus ersehen, welche positive Wirkung man haben kann.

 

Nach dem Studium, das ich als Jahrgangschlechtester abschloss (ich versäumte aber nicht die Gelegenheit, die Prüfungskommission noch einmal ausführlich zu beschimpfen) dachte ich in Berlin mein Glück zu versuchen.

Ich lebe heute in der Nähe von Frankfurt.

 

Diese sehr, sehr große Stadt war gerade im Umbruch. Die guten ostdeutschen Musiker konnten mit mir nichts anfangen, da ich keine Kontakte zur westdeutschen Musikszene und somit zu den vermeintlichen Geldpfründen hatte, und die westdeutschen Musiker waren so berauscht von der Idee, dass Berlin jetzt wieder mit Paris, London und New York in einem Atemzug genannt wurde, dass sie gar nicht erkannten, dass sie sehr lange im eigenen Saft geschmort haben. Trotzdem, ich lerne Musiker kennen, die Deutschland-Tourneen mit Marianne Sägebrecht machten, aber mich fragte niemand nicht mal in der Eisdiele an der Ecke zu spielen.

 

Dem eigenen Größenwahn verfallen, beschloss ich auch unter Mithilfe von Al Donson (ein unglaublich schnellsprechender und schnellspielender Gitarrist, der mir von Amsterdam gefolgt war, da ich einem  Bekannten  erzählt hatte, dass ich in Berlin Musik produzieren will) eine eigene Produktionsfirma zu gründen, die ich Blue Sun nannte (ein genauso armer Name wie Blue System von Dieter Bohlen, nur dass ich damit überhaupt keinen Erfolg hatte) und die, wie mir Al Donson versicherte, gut ins Geschäft käme, wenn sie Demos von anderen Musikern produzieren würde, was in New York kein Problem wäre.

 

Also ich, voller Mut, rufe die verdutzten Studioinhaber an, die sehr schnell feststellten, dass ich ihnen kein Geschäft bringe, sondern gern eines hätte. Entsprechend aufmunternd traten sie mir gegenüber, ich hörte mir unendliche Geschichten von den eigenen (den der Studioinhaber) Erfolgen an, hörte viele Namen, die ich nicht kannte, was ich auf meine Blindheit im Musikgeschäft zurückführte, kam aber nirgends ins Geschäft und weiß heute, dass die meisten Studios geschlossen sind. Nicht natürlich Budde und Hansa Verlag.  Ich hatte sogar Termine dort, ging froh Gemuts mit meiner aufgenommen Demo dorthin, um mich als Produzent vorzustellen, um dann vom sehr, sehr jungen A&R Manager mit Bestsellern konfrontiert zu werden auf denen Puppen, die in einer damaligen deutschen TV-Sendung auftraten, ein sehr fremdes Lied quäkten. Später erfuhr ich, dass selbiger A&R Manager den Inhaber des Verlages geheiratet hat:

 

Den Anekdoten könnten noch viele folgen, aber ich will den geduldigen Leser nicht zu sehr anstrengen.

 

Dann  kam der Höhepunkt. Paul Kuhn! Ich erinnerte mich, dass ich ihn in einer Rentner-Sendung am Nachmittag Piano spielen sah und es sehr gut fand, brachte seine Nummer raus und schickte ihm ein Fax (Legasthenie!) Ich musste noch mehrmals hinterher telefonieren, Verhandlungen mit seiner Frau führen, die ja ihre Weltkarriere als Chorsängerin für ihren Mann aufgegeben hatte, der damals auf Schiffen spielte und dort sicher die gleichen erhebenden Erfahrungen gemacht hatte wie ich im Zirkus. (Kleine Anekdote, als Paul Kuhn ein Schlag beim Golf misslang, sagte ein Clubpartner: Gell, Klavierspielen geht leichter. PK: Für mich schon).

Ich habe also ein kostenloses Studio besorgt beim Rias, habe Fotos machen lassen von einem befreundeten Fotograf, die wirklich großartig geworden sind (Tom Wagner), habe mir Geld geliehen, Wechsel unterschrieben und eine CD von PK rausgebracht, die ich mit Hilfe eines Vertriebs (Zitat Vertriebsinhaber: „Nach mir kommt nur noch Gott!“) auch in die Läden brachte.

 

Unendliche Telefonate später konnte ich den Wechsel zurückzahlen, ein wenig Geld in andere Künstler investieren, die direkt nach der Vertragsunterzeichnung dachten, sie wären jetzt weltberühmt und mich beschimpften, dass ich nur von ihrem Erfolg schmarotzen möchte, und pleite gehen, nicht bevor ich noch eine weitere CD von PK rausgebracht habe gleichzeitig mit unzähligen anderen, da Frau Kuhn dachte, sie müsse jetzt mit jedem ein Geschäft machen, der bei ihr an der Tür klingelte.

Ich hatte in der Zwischenzeit Hunderte von Journalisten mehrmals angerufen und die CDs in die Zeitungen gebracht. (Sie erscheinen inzwischen bei In&Out Records und sind dort sicher gut aufgehoben)

 

Natürlich habe ich Paul Kuhn auch ein Arrangement mitgegeben in der leisen Hoffnung, vielleicht ein paar Empfehlungen oder Kontakte durch ihn zu bekommen, die dann vielleicht zu meinem unaufhaltsamen Aufstieg führen könnte, aber er fand sie nur ungeeignet.

 

Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass ich mit meiner Firma 7 CDs produziert habe, dass ich von Dan Gottshall bestohlen wurde, aber kein Geld und keine Kraft mehr hatte, dies zivilrechtlich zu verfolgen und dass die letzte CD (007, was sonst) mich zusammen mit Billy Bang, Abbey Rader, Ed Schuller in einer Aufnahme wiedergibt.

Außer guten Kritiken, die ja erzwungenermassen kommen mussten, da potenzielle Anzeigenkunden nicht gefährdet werden können, ist nicht wirklich viel passiert, außer eines Anrufs mitten in der Nacht von Billy Bang, dem ich die CD geschickt hatte und der sagte, ich klänge großartig, wie einer von den ganz großen, wie Coltrain oder Shorter.

Das war schön. Ich zehre auch hiervon noch immer.

 

Völlig verarmt, inzwischen verheiratet und Vater, musste ich mich zu neuen Ufern aufmachen, da auch die in Berlin hoch subventionierte und von Jiggs Whigham als eigene Geldquelle betrachtete Big Band, die unter anderem durch bunte Duke Ellington Nachmittage auffiel, in den das Publikum zum Tanzen aufgefordert wurde, sich nicht für meine Arrangements erwärmen konnte und stattdessen die von hochbegabten Dutzfreunden aufführte, die unter anderem noch mit Festival-Einladungen in den Staaten aufwarten konnten.

 

Der werte Leser wird ahnen, dass ich inzwischen eine andere Geldquelle aufgetan habe, die der Unternehmensberatung. Aber dieses ganz dunkle Kapitel, das noch nicht abgeschlossen ist und ich habe die Befürchtung, noch sehr lange schwellen wird, dass es mich und meine Familie ernährt,  will ich hier lieber nicht vertiefen.  Wäre vielleicht einer anderen Geschichte wert, liegt aber eher in der Erfahrung Zirkus.

 

Also heute, sehr liebe, gute Musiker getroffen, mit denen ich nicht mehr im ganz freien, sondern mehr im Postbob, Postfusion und Posttoday (sprich Avantgarde) Bereich spiele. Aufnahmen folgen in Bälde.

 

Ach, noch zum Schluss:
Bucht mich! Ich spiele von Hänschen klein über Coltrane bis Brecker alles, was der  werte Zuhörer oder Veranstalter oder gar Popmusiker mit Tournee wünscht! Oder doch eigene Stücke und vielleicht wird das ja doch noch was mit den Arrangements.

  

„Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende."

                                                                                                N.N

 

 

Gunter Schwarz

 


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